Dörteler Chronik

über 777 Jahre
Wildbad  Dörtel

eine kleine Chronik von Gustav Windt
 
Dass "Dörtel" etwas Besonderes ist, wissen alle, die schon immer  hier wohnen - oder ganz bewusst hier zugezogen sind. Dass es aber auf eine interessante Geschichte zurückblicken kann, ist vielleicht kaum jemand  bekannt geworden. Und sicher auch nicht, dass das "Dörteler Heilwasser"  schon vor 5 Jahrhunderten eine nicht zu unterschätzende Rolle im und für den kleinen Ort gespielt hat:
Heinrich von Salach war der erste urkundlich bekannte "Herr" dieses romantisch  im Tal neben der Kaiserstraße gelegenen Weilers. 1221 überließ er seine Güter, und damit auch "Dörtel" dem Bischof  von Würzburg.
Diesem folgten ab 1346 als Herren von Dörtel:
      die  "von Maienfels"
      die  "Johanniterkommende"
      die  "Holzschuherin zu Mergentheim"
      der  bekannte Bürgermeister "Topler von Rothenburg"
      und  "Leopold von Seldeneck".
Im Jahr 1420 wurde Dörtel dem " Deutschorden" zugeordnet.
In der Folgezeit übten die Herrschaft aus:
      "Konrad  von Weinsberg"
      Karl Mertins "Hausfrau von Mergentheim

      und der Spital in Mergentheim, Alfra Relin"
      sowie  die "Freiherren von Adelsheim".
Erste  urkundliche Erwähnung des "Wildbades zu Thürtel" reicht in das Jahr 1470 zurück. Vom Dörteler Wasser wissen wir aus jener Zeit,
      dass es "in Fässern ins Ausland" (u.a. sogar bis nach Österreich)
      verschickt wurde
      dass es aber nicht nur getrunken wurde,
      sondern  man darin auch gebadet hat.
Alte Berichte weisen auch aus, dass viele Heilsuchende von weither in der Hoffnung angereist kamen, um im "Wildbad zu Thürtel" Linderung ihrer  Leiden zu erfahren.
In alten Schriften ist ebenso die Rede von
      einem  "Haus zur Unterbringung der Heilsuchenden von auswärts" (heute würden wir "Kurhaus" dazu sagen)
und  von einer "Badeanstalt", die es schon in "Thürtel"  gab,
als auch davon,
      dass das Wasser "gegen Schwellungen und

      Entzündungen der Haut sowie chronische Leiden
      und Nervenkrankheiten geholfen" hat.
1689 wurde die Heilquelle durch einen starken Wolkenbruch verschlagen. Die erneute  Fassung der Quelle scheiterte an den sich ergebenden Besitzstreitigkeiten zwischen den Adelsheimern und dem Deutschen Orden.
Erst im Zeitraum 1767 - 1804 hat die "Regierung zu Mergentheim" dann  mehrere Versuche unternommen, die verschüttete Heilquelle wiederzufinden.
Vielleicht wären die Grabungen im Jahr 1804 erfolgreich gewesen, wenn man damals nicht zu früh aufgegeben hätte. Im gleichen Jahr nämlich ist der noch "gemauerte, inzwischen ausgetrocknete aber rotbraun inkrustierte Kanal" der früheren Quelle wiederentdeckt worden.
Und  1824 entsprangen nach einem anhaltenden Regenwetter an vielen Stellen im  Ort neue Quellen.
Vom  Quellwasser im Viehstall der "deutschordischen Hofreite" ist verbrieft, dass nach diesem Wasser das Vieh "unbändig verlangte und sich deshalb von den Ketten los gerissen hat".
Wegen  schwieriger Probenentnahme im Stall war nur eine ungenaue Analyse möglich. Eine dann später in Bachnähe genommene andere Quell-Probe ergab  u.a. folgende Werte:
      Sehr frisch im Geschmack
      mit  kohlensaurem Kalk und etwas Bittererde
      dazu salzsauren Salzen.
Dieses "Dörteler Wasser" wurde nach Zeitungsberichten 1825 und 1826
      noch häufig nicht nur an Ort und Stelle mit gutem
      Erfolg getrunken

       
      sondern  mittels "Krügen und Fässern", wie in früheren
      Zeiten,  "auf viele Stunden weit verführt"
      "gegen chronische Leiden und Nervenkrankheiten innerlich
      sowie  als Bad angewendet".
Wenn 1826 die Mergentheimer Quellen durch Schäfer Gehrigs Schafe nicht entdeckt worden wären, vielleicht stünden dann heute alle Bad Mergentheimer Kureinrichtungen im "Wildbad Dörtel".
Doch wir Dörteler begnügen uns mit dem Wissen von der seinerzeitigen
"Heilkraft des Dörteler Wassers". Denn eines ist sicher, nur aus dem Glauben  heraus hätten die Menschen nicht 5 Jahrhunderte lang damit Gesundung gesucht.
Aber auch ohne das Prädikat "Heilwasser" ist unser Dörteler Eigenwasser eines der besten im gesamten Bereich:
      Es muss nicht -so wie sonst fast überall- gechlort
      und  nicht erst mit Ozon oder chemischen Zusätzen
      "genusstauglich  " gemacht werden.
Es schmeckt uns quellfrisch - oder als Herbsthäuser Bier.
 


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  Kontakt: Gustav Windt